Unsere Peter-Orgel

Die Peter-Orgel der Lutherkirche

Die Lutherkirche in Bonn hatte bis zum 24. Februar 2025 eine Orgel der Firma Willi Peter aus Köln. Wie in vielen Gemeinden hat der Zahn der Zeit an diesem Instrument genagt. Im folgenden geben wir Ihnen einige Informationen zur Geschichte und den Problemen dieses Instrumentes.

Geschichte der Orgel

  • 1902/03:  Einbau einer Walcker-Orgel in die neu errichtete Kirche
  • 1950:       Umbau der Orgel durch die Orgelbaufirma Willi Peter, Köln
  • 1968:       Neubau durch die Orgelbaufirma Willi Peter (unter Verwendung vorhandener Pfeifen)
  • 1996:       Dispositionsveränderungen auf Grund von erheblichen klanglichen Mängeln (Änderung der Klangzusammenstellung und teilweise Umintonation)
  • 2004/05: Orgelumbau im Rahmen der Neugestaltung des Chorraums (Verlegung des bis dahin räumlich abgekoppelten Rückpositivs in das Hauptgehäuse)
  • 24./25.02. 2025: Die Peter-Orgel wird abgebaut. Das Gehäuse bleibt aus optischen Gründen im Chorraum stehen.

Aktueller Zustand unserer Orgel

Unsere Orgel aus dem Jahr 1968 wies große Mängel auf. Hören Sie hier selbst!
Die wichtigsten Beispiele:

I. Elektrische Anlage

Die elektrische Anlage erfüllte die heutigen Sicherheits- und Brandbestimmungen nicht. Die gesamte Elektrik war unzulässig. Im Spieltisch wurden Temperaturen von bis zu 90 Grad gemessen. Es bestand Brandgefahr!

II. Pfeifenwerk/Klang/Intonation

Nur 27 der 40 Register unserer Orgel kamen aus klanglichen Gründen regelmäßig in Gottesdienst und Konzert zum Einsatz!
Die restlichen 13 Register waren z.T. unbrauchbar, da sie klanglich instabil oder kaum sinnvoll einsetzbar waren, da sie z. B. zu spitz oder schrill klangen oder sich mit anderen Klangfarben der Orgel schlecht mischten.

Nur wenige Register konnten solistisch genutzt werden, da die klanglichen Eigenschaften vieler Register unzulänglich waren.
Dies äußerte sich in:
  • schlechter „Ansprache“ der Töne (Der Ton erklingt mit zu großer zeitlicher Verzögerung. So ist kein schnelles Spiel möglich.)
  • klanglicher Instabilität der Töne (Der Ton „wabert“.)
  • zu laute Obertöne, aber kaum hörbare Grundtöne (Beispiel: Einige tiefe Töne sind so unspezifisch, dass nicht einmal ein Messgerät sie erkennen kann.)
  • unterschiedlich laute Töne innerhalb eines Registers
Solche Register konnten nur in Kombination mit mehreren anderen Registern verwendet werden, damit die klanglichen Mängel im Gesamtklang „kaschiert“ werden.

Die Lautstärkeverhältnisse der Register zueinander waren sehr unausgewogen. Ein stufenloses crescendo oder decrescendo (Anheben oder Senken der Lautstärke) ist kaum realisierbar.

Daher fehlte es der Orgel in erheblichem Maße an klanglicher Vielseitigkeit und Flexibilität, die ein Instrument dieser Größe verspricht.

III. Spieltisch

Durch Materialermüdung (altes Plastik) brachen immer mehr Registerzüge ab und erschwerten die Handhabung erheblich. Die Elektrik im Spieltisch war sicherheitsgefährdend.

IV. Windversorgung

Der Winddruck war gerade bei lautem Spielen nicht konstant genug, was sich durch leichte scheinbare Verstimmungen während des Spielens bemerkbar machte.

Unsere Orgel ist ein Kind ihrer Zeit

In der Mitte des 20. Jahrhunderts sah man symphonisch-romantische, lyrische und warme Orgelklänge (wir würden sagen: „an das Herz gehende Klänge“) als „dekadent“ an und bevorzugte eine spitze und grundtonarme Klanggebung. Es wurde vielfach ein idealisiertes „Barock-Klangbild“ angestrebt, das es allerdings – wie man mittlerweile weiß – so nie gegeben hat. Dabei wurden z.T. sogar originale barocke Instrumente „verschlimmbessert“. Zudem wurde bei entsprechenden Orgelkonzeptionen kaum Rücksicht auf die akustischen Eigenschaften des Kirchenraumes genommen.
In klanglicher Hinsicht war daher auch unsere Orgel in der Lutherkirche für viele Stilrichtungen ungeeignet. Nur ein kleiner Teil der Orgelliteratur unserer reichhaltigen kirchenmusikalischen Tradition war gut darstellbar. Aufgrund ihrer schwachen Grundtöne war sie zudem kein adäquates Begleitinstrument für unseren Posaunenchor und mischte sich klanglich nicht gut mit anderen Instrumentalensembles.
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